The space behind the buttons

“On the internet, no one knows you are a dog”, sagt ein Hund, der am Computer sitzt, zu seinem Kollegen. Der Cartoon von Peter Steiner erschient 1993 im New Yorker. Der Satz ist zu einer grundlegenden Beschreibung für das Netz geworden: Online kann jeder anonym sein, sich neu erfinden, das analoge Ich hinter sich lassen.

Stimmt das wirklich? Stimmt es für Jugendliche in Südafrika, in deren Alltag die Bruchlinien Reichtum, Hautfarbe, Wohnort nach wie vor bestimmen, wie sie leben und mit wem sie sich umgeben? Südafrikanische Kids chatten viel. Aber sprechen sie im Netz auch mit Gleichaltrigen, die sie offline niemals kennen gelernt hätten? Gibt es im Netz Verbindungen, die von einer Wellblechhüttensiedlung in Soweto in die reichen Vororte im Norden Johannesburgs führen? Zwischen zwei Orten also, die nur 25 Autominuten voneinander entfernt leben und deren jugendliche Bewohner sich im Alltag doch nie treffen würden?

Diese Fragen bin ich für meine Masterarbeit nachgegangen. Im Sommer 2013 habe ich in Soweto und Johannesburg ein qualitatives Forschungsprojekt mit 81 Jugendlichen gemacht. Eine Online-Befragung von rund 4000 jungen Nutzern der Chat-Plattform mixt war ebenfalls Teil meiner Forschungsmethoden. Dabei habe ich gelernt, dass viele junge Sowetans lieber völlig Fremde im Netz um Rat bei persönlichen Dingen fragen als ihre eigenen Nachbarn. Dass ihnen der “space behind the buttons” hilft, der gefühlten Enge und ihres Zuhauses zu entkommen. Und dass es am Ende aber doch nicht so einfach ist, im Netz sein analoges Ich zu überwinden, wie Steiners Cartoon suggeriert. Das Ergebnis des Forschungsprojekts findet ihr hier.

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